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Fakultät für Biologie, Chemie und Geowissenschaften

Geographisches Institut

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Forschung

Das Forschungsprofil des Geographischen Instituts ist entsprechend der breiten Ausstattung mit Professuren sehr vielfältig.

Die Forschungen der verschiedenen Arbeitsgruppen am Geographischen Institut verbinden sich in ihrem geteilten Anspruch raumbezogene Prozesse in sozial-/kulturwissenschaftlicher, naturwissenschaftlicher und didaktischer Perspektive zu erforschen, um dabei immer auch von einem Verantwortungs- und Reflexionsbewusstsein des eigenen Tuns getragen und geleitet zu sein. Unser erarbeitetes Metakonzept „Gestaltung – Raum – Verantwortung“ geht dabei in fünf Dimensionen geographischen Arbeitens auf.

Interkulturalität & MigrationEinklappen

Migrationsprozesse

untersucht die AG Politische Geographie aus sozialgeographischer (Netzwerke, Migrationssysteme) und politisch-geographischer Perspektive (Flucht, Konflikte, unfreiwillige Immobilität). Hierzu wurde ein BMBF-Projekt zu Klimawandel, Umweltveränderungen und Migration in Zusammenarbeit mit der AG Klimatologie abgeschlossen. Das Projekt “Migration und Integration in der bayerisch-tschechischen Grenzregion: Analyse, Kooperations- und Lösungsstrategien” untersucht in Kooperation mit der westböhmischen Universität Pilsen die Auswirkungen der Migration auf die analysierte Region und versucht Vertreter von akademischen, staatlichen und nicht-staatlichen Institutionen beiderseits der bayerisch-tschechischen Grenze im Bereich Integration zu vernetzen.

Interkulturalität & Migration

fokussiert die AG Geographische Entwicklungsforschung sowohl im afrikanischen Kontext anhand urbaner Mobilität und Wohnraumfinanzierung in informellen Siedlungen in Tansania als auch in Deutschland mittels regelmäßiger Studienprojekte (Lehrforschung). Gerade als angewandte Forschung im Entwicklungskontext wird ein verantwortungsbewusster Umgang zwischen Mensch, Gesellschaft und Umwelt betont. Die AG Kulturgeographie macht zurzeit Öffentlichkeitsarbeit aufgrund der US-Amerikanischen Erfahrungen zum Thema "positive Aspekte ethnischer Enklaven" und betreut zurzeit mehrere Deutschland-bezogene Masterarbeiten zum selben Thema

Transkulturelle Prozesse

sind ein Forschungsschwerpunkt der AG Kulturgeographie auf. So widmet sich ein Projekt den Migrationserfahrungen lateinamerikanischer Trans*-Personen in Europa. Auch Themen der Interkulturalität – „travelling ideas“ und transkulturelle wissenschaftliche Diskurse - werden sowohl praktisch (Übersetzungen) als auch theoretisch in den Blick genommen. Die AG Kulturgeographie ist zentral beteiligt an einer interdisziplinären Forschungsinitiative - eine Kooperation zwischen der Universität Bayreuth und der University of California at Davis - zu "cultures of speculation". Die Gruppe untersucht spekulative Praktiken in diversen Lebensbereiche als Narrative, Performance und Simulation.

Möglichkeiten und Grenzen

des Verstehens fremdkultureller Kontexte in Lateinamerika und Afrika in einer metatheoretischen Perspektive praktischer interkultureller Hermeneutik sind Forschungsgegenstand der AG Sozialgeographie. Zentral ist hierbei, die fremdkulturellen Lebenswelten in ihrer kontextuellen Situiertheit und Sinnlogik rekonstruktiv zu verstehen und zu interpretieren: Ein grundlegender Verstehensakt jeglicher geographischer Entwicklungsforschung im Globalen Süden, der intensiver Reflexionsarbeit  bedarf.

Transformation & Entwicklung
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Angewandten Fragen zu Entwicklungsproblemen

in Afrika südlich der Sahara und den damit verbundenen Auswirkungen auch auf Europa sind ein Beschäftigungsfeld der AG Geographische Entwicklungsforschung. Die thematischen Schwerpunkte liegen in der angewandten Stadt- und Urbanisierungsforschung – hier insbesondere in der Untersuchung der Wohnraumfrage sowie Wohnumfeldforschung – und in den Bereichen der Land-Stadt-Migration, Fragen der Governance von Städten und Regionen, sowie in der ländlichen Regionalentwicklung insbesondere unter dem Einfluss der Globalisierung. Aktuelle Forschungsprojekte beschäftigen sich mit Landnutzungsänderungen, Konflikten durch Flächenkonkurrenz und „land grabbing“ in Ostafrika sowie sich verändernden, lokalen Essenskulturgewohnheiten unter dem Einfluss der Globalisierung in Äthiopien und „Local Economic Development Strategies“ in Ghana. Ernährungsversorgung und Lebenssicherung z.B. durch Mikrokredite und Strategien im Verwundbarkeitskontext  sowie neueste Forschungen zu Perzeption und Governance von Abfall wirken sich auf Mensch-Umwelt-Interaktion sowie die räumliche Ordnung in Großstädten ebenso wie in Mittelstädten (mid-sized cities) aus.

Auf der Untersuchung von Entwicklungsproblemen und -potenzialen

für die Transformation zur Nachhaltigkeit in Städten und Regionen liegt der Schwerpunkt der AG Stadt- und Regionalentwicklung. Dabei werden tiefgreifende gesellschaftliche Herausforderungen wie der demografische Wandel, der Strukturwandel zu einer Dienstleistungs- und Wissensökonomie oder die Energiewende zum Ausgangspunkt der Untersuchungen gemacht. Ziel der Forschung ist es zu analysieren, was nachhaltigkeitsorientierte Transformationsprozesse ermöglicht und hemmt, wie sie gestaltet und wissenschaftlich begleitet werden können. Die Umsetzung von konkreten Projekten wird durch wissenschaftliche Begleitforschung evaluiert. Aktuelle Forschungsprojekte beschäftigen sich zum Beispiel mit der Bedeutung akademischer Weiterbildung für die Regionalentwicklung, der Rolle von Hochschulen als regionalen Akteuren, institutionellen Anpassungsstrategien an den demographischen Wandel, der Evaluation von Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität, der raumplanerisch bedeutsamen Frage nach der Gleichwertigkeit von Lebensverhältnissen oder kommunalen und interkommunalen Strategien zur Steigerung der Resilienz ländlicher Räume.


Unter der Agenda Finance/Nature – Labor/Work – Commodities/Cargo

beschäftigt sich die AG Wirtschaftsgeographie mit den Themen Globale Warenketten und Kritische Geographien der Logistik; industrielle Arbeit im digitalen Zeitalter und landwirtschaftlichen Transformationen im Kontext von Finanzialisierung und Digitalisierung. Die bisherige Forschung fokussiert sich auf die Rhein-Main-Region, Ost- und Westafrika sowie Neuseeland. Wir sehen uns in der Tradition einer kosmopolitischen Wirtschaftsgeographie, deren dezidiertes Ziel es ist, Wissen über Regionen zu generieren, die in der stark auf Europa und Nordamerika fokussierten Wirtschaftsgeographie oftmals ein Schattendasein fristen, in denen sich aber gleichzeitig wichtige globale Dynamiken, Umbrüche und Verwerfungen manifestieren. Hierbei geht es uns nicht bloß um eine geographische Diversifizierung, sondern um die Produktion von Erkenntnissen an den „Rändern“ eines Wissenschaftssystems, das sich oft durch die Universalisierung von Theorien mit einer bestimmten historisch-geographischen Biographie auszeichnet. Zudem widmen wir uns in der lehrbezogenen Forschung und Betreuung von Arbeiten ökonomischen Transformationsprozessen in der Metropolregion Nürnberg und der Grenzregion Oberfrankens.

Gesellschafts- und sozialtheoretische Zugänge

zum städtischen und ländlichen Raum im Bereich der Governance-Forschung stehen im Zentrum der Forschungsaktivität der AG Sozialgeographie stehen. Derzeit wird das  europäische Projekt SELFCITY zu Selbstorganisationsprozessen im Kontext des Klimawandels am Lehrstuhl koordiniert. Ziel der transnationalen Kooperation mit Großbritannien und den Niederlanden ist die Erforschung von Kollektivierungsprozessen in urbanen und ruralen Räumen zur nachhaltigen Veränderung konsumeristischer Lebensformen hin zu „low-carbon communities“ in Europa. Die AG Kulturgeographie entwickelt einen raumtheoretischen Ansatz zu der Selektivität von Aufmerksamkeit und den von Aufmerksamkeit gesteuerten sozialen Praktiken. Dieser Ansatz erlaubt es, neuere Veränderungen im Alltag im globalen Norden, die mit technologischen Transformationen (z.B. Smartphones) einhergehen, sozialtheoretisch besser zu verankern.

Natürliche Prozesse & Gesellschaft-Umwelt-Interaktion
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Prozesse der Erdoberfläche

Die Geomorphologie ist die Lehre von den Kräften und Vorgängen, die das Relief der Erde geformt haben und immer noch formen. Die AG Geomorphologie untersucht, misst und bilanziert rezent ablaufende Prozesse wie Verwitterung, Steinschlag, Hangbewegungen und fluvialen Transport sowie die damit verbundenen Naturgefahren. Wir nutzen dazu quantitative Untersuchungsmethoden wie z.B. Laserscanning, oberflächennahe Geophysik, mikroklimatische Messungen und Simulationen. Zum Verständnis der Landschaftsentwicklung und Paläoumwelt blicken wir auch in die erdgeschichtliche Vergangenheit und verwenden dazu vor allem Lumineszenzdatierung sowie Paläo-und Umweltmagnetik, mit denen sich geomorphologische Prozesse wie z.B. Flutereignisse, Hangrutschungen, Vulkanausbrüche oder auch die Spuren menschlicher Hinterlassenschaften zeitlich einordnen lassen. Zur Erforschung der Gesellschaft-Umwelt-Interaktion arbeiten wir eng mit unterschiedlichen Nachbardisziplinen wie Geoökologen, Archäologen, Bodenkundlern, Geophysikern, Klimaforschern und Humangeographen zusammen.

Übersetzungsprozesse politisch-technologischer Regulationsansätze

im Globalen Süden liegen im Fokus der AG Politische Geographie. Wie reisen Wissenskomplexe um politisch-technologische Regulation in der Beziehung zwischen Entscheidungsträgern aus unterschiedlichen Kontexten, wie werden sie übersetzt und wie materialisieren sich diese Übersetzungen? Theoretische Überlegungen zum Verhältnis von relationalen und territorialen Geographien sind hier auch von Belang. Darüber hinaus entsteht ein neues Forschungsfeld: Energiekomplexe im Globalen Süden.

Klimaökologie

die die Schnittstelle zwischen Atmosphäre und (anthropogen beeinflussten) Ökosystemen auf der Landschaftsskala beleuchtet, steht im Mittelpunkt des Interesses der AG Klimatologie. Durch den kombinierten Einsatz von boden- und satellitengestützter Fernerkundung, in-situ Messungen und nummerischer Modellierung stellen die Arbeiten ein Bindeglied zwischen den Anwendungen der globalen Klimaforschung und den Ansätzen in der funktionellen Biodiversitäts- und ökosystemaren Forschung dar. Von zentraler Bedeutung der Forschungen, die vor allem im subsaharischen Afrika und in Zentralasien verortet sind, ist der anthropogene Einfluss auf Umweltveränderungen. Dabei im Fokus stehen Ressourcennutzung, etwa durch Beweidung und Holzextraktion, aber auch das Management von Ökosystemen durch die Bevölkerung.

Die Untersuchung der Heterogenität natürlicher Gesteinskörper

und deren Auswirkungen sowohl auf natürliche Prozesse (z.B. Grundwasserströmung) als auch auf die Stabilität historischer Bauwerke sind ein Forschungsschwerpunkt der AG Geologie. Heterogenität in Gesteinskörpern kann sowohl durch Prozesse bei der Entstehung (Sedimentfazies, hydrodynamische Bedingungen, Sedimentangebot etc.) als auch durch postdepositionale Prozesse (Tektonik, Diagenese etc.) verursacht werden. In beiden Fällen führt dies zu Veränderungen der lateralen Kontinuität des Gesteins und damit zu einer heterogenen Verteilung gesteinsphysikalischer Eigenschaften wie beispielsweise der hydraulischen Durchlässigkeit oder Gesteinskompressibilität. Es werden Methoden der oberflächennahen Geophysik eingesetzt, mit denen die gesuchte Information über den heterogenen Aufbau des Gesteinskörpers indirekt ermittelt werden (Geo-Radar, tomographische Geoelektrik, Eigenpotential-Messungen, Refraktionsseismik, Sonar und Magnetometrie).

Räumliche Muster

in der Verbreitung von Arten, Lebensgemeinschaften und Ökosystemen liegen im Fokus des Interesses der AG Biogeographie. Diese werden in Bezug zu gesellschaftlichen Problemen und Herausforderungen gebracht, beispielsweise in den Feldern: Gesundheitswesen, Naturschutz, Forstwirtschaft, Landwirtschaft. Ein großer Teil der Forschung in der Bayreuther Biogeographie konzentriert sich auf die ökologischen Auswirkungen des Klimawandels. Diese werden sowohl mit Methoden der Feldforschung, mit Experimenten, mit Modellen und durch die Auswertung großer Datensätze untersucht.

Räumliche Ordnung & Territorialität
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Grenzen, Territorium & Territorialität

sind ein wichtiger Forschungsschwerpunkt der AG Politische Geographie, denn Territorien sind nicht einfach da, nicht gegeben, sondern müssen hergestellt und aufrechterhalten werden: Es ist „Territorialisierungs-Arbeit“, die sich mittels sozialer und technischer Praktiken sowie der Etablierung von Diskursen vollzieht; Territorien sind somit auch Effekte und Herstellungsleistungen staatlicher Praxis. Auch die AG Kulturgeographie beschäftigt sich mit dem Thema Territorialität, vor allem in der Form der "politics of scale" in Washington DC, einer Stadt, die eine merkwürdige Stelle als entrechtete Ausnahme auf der lokalen Ebene innehat und gleichzeitig Hauptstadt einer Weltmacht ist.

Politik der Grenzziehungen und "borderwork"

daran richtet die AG Kulturgeographie ihre Forschungsperspektive aus, egal ob dies im Kontext der Gouvernmentalität europäischer Grenzen im Zusammenhang mit Transgender-Identität oder kultureller Transformationen und Kooperationen an den Grenzregionen zwischen Deutschland, Polen, der Ukraine und Tschechien geschieht. Zugleich entwickelt diese und weitere Arbeitsgruppen ein Interesse an räumlichen Machverhältnissen in drei neuen Perspektiven: Erstens in einer Untersuchung der Performanz räumlicher Ordnungen als eine politische Ökonomie der Aufmerksamkeit sowie in der oben genannten Studie über Washington DC. Das Thema Identität und Macht kommt zweitens auch in historisch-geographischer Fokussierung zum Verhältnis zwischen Geschlechterrollen, öffentlichem Raum und Münzautomaten im 20. Jahrhundert zum Tragen. Und drittens geht es um die Herausbildung nicht-liberaler Machtformen im postkolonialen Brasilien.

Räumliche Ordnung, Aufmerksamkeit und gerichtete Praxis

In der AG Kulturgeographie wird zu der Rolle von Aufmerksamkeit und von der inhärenten Gerichtetheit menschlicher Praxis als Grundlage von räumlichen Aspekten moderner, kapitalistischer sozialer Ordnungen geforscht. Das Zeitalter der Überwindung von Distanz durch Technologie wird oft als allgemeine Freisetzung der menschlichen Möglichkeiten gefeiert. Da aber unsere Aufmerksamkeit und viele unserer alltäglichen Aktivitäten nach wie vor exklusiv und selektiv gerichtet bleiben, heißt die Vervielfachung der Möglichkeiten eher eine Verlagerung als eine Überwindung der Limitierung des menschlichen Lebens. Das, was wir im Laufe des Alltagslebens machen, wird immer weniger von der Frage gestaltet, wo wir sind, sondern von der Frage, wohin wir uns zuwenden und wovon wir uns abwenden, egal wo wir sind. Das ist am deutlichsten in der neuen Problematik des Smartphones und der damit verbundenen Veränderungen im sozialen Umgang miteinander.

Lehr-/Lernforschung
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Grundlagen geographischen Lehrens und Lernes

und die Entwicklung von Konzepten fachbezogenen Lehrens und Lernens in den Bereichen „Räumliche Orientierung“ „Interkulturelles Lernen“ und „Schülervorstellungen“, das sind die Forschungsschwerpunkte der AG Geographiedidaktik. Verschiedene Forschungsprojekte werden dabei mit Eyetracking-Verfahren untersucht.

Geo-E-Log

ist ein Lehrprojekt, das die AG Sozialgeographie unlängst entwickelt und ins Leben gerufen hat. Es handelt sich hier um ein virtuelles Logbuch das zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von studentischen Exkursionen konzipiert wurde und verschiedene multimediale Visualisierungen umfasst.


Verantwortlich für die Redaktion: Jasmin Samimi

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